DAS GROSSE BILD         



Teil 2 der  Sommer-Trilogie    Teil 1  Teil 3

von Kiara Windrider, 26. Juni 2005
(übersetzt von Monika Bischofberger)


Das Phänomen “Diksha“ ist nicht mehr neu. Seit im August 2003 diese Arbeit mehr an die Öffentlichkeit drang, haben tausende von Menschen die Diksha empfangen, und viele von ihnen haben Erleuchtung erlangt. Doch viele haben sie nicht erlangt und es werden diesbezüglich immer mehr Fragen gestellt. Was ist diese Erleuchtung überhaupt? Wie weiß ich, dass ich die Erleuchtung erlangt habe? Was ist das Selbst? Bedeutet erleuchtet zu sein, dass ich das Selbst ein für allemal los bin? Wer bin ich überhaupt noch, wenn ich nicht das Selbst bin?

Manche Menschen erleben die Erleuchtung so, dass sie das Gefühl des separaten Selbst verlieren; gleichzeitig öffnet sich ihr Herz ganz weit und es erfüllt sie ein tiefes Gefühl der Freude und Einheit mit dem Universum. Oft folgt dann darauf ein Absturz, eine dunkle Nacht der Seele, in welcher sie sich ruderlos treibend empfinden, allein in einer unfruchtbaren Welt spiritueller Dürre und emotionaler Abgestorbenheit. Muss jeder diese dunkle Nacht erwarten, warum geschieht dies überhaupt?

Manche Menschen durchbrechen bereits bei ihrer ersten Diksha die “Schallmauer“, andere wiederum empfangen eine Diksha nach der anderen, ohne dass sich wesentliches bei ihnen verändert. Diese Menschen verzweifeln nahezu an ihrer Suche, sie meinen, sie wären der Erleuchtung nicht würdig oder auf irgendeine Art auf ewige Zeiten blockiert. Sie fühlen sich, als wären sie der einzige Fehler, den Gott jemals gemacht hat und dass alle anderen die Erleuchtung erlangen, bloß sie nicht. Entweder jagen sie dann jeder verfügbaren Diksha nach, oder sie verzweifeln und überlegen sich, ob das Ganze nicht vielleicht doch nur ein übler Scherz war.

Seit meine Frau Grace und ich vor mehr als einem Jahr unseren Erleuchtungsprozess durchlaufen haben und damit begannen, selbst Dikshas zu geben, hatten wir Gelegenheit, über einige dieser Fragen nachzudenken. Ich habe bereits früher von den drei Wellen der Initiation gesprochen und davon, wie wichtig und vor allem notwendig die “dunkle Nacht der Seele“ ist. Ich möchte an dieser Stelle den evolutionären Aspekt ansprechen und für unsere individuellen Erfahrungen einen größeren Kontext herstellen.

Erleuchtung ist nichts Neues auf diesem Planeten. In den großen Zyklen der Menschheitsgeschichte haben immer wieder Menschen, viele Menschen, diesen Zustand erreicht. Für Mutter Erde war es immer wichtig, dass eine gewisse Anzahl Erleuchteter auf diesem Planeten zu finden ist, damit ein Zustand kosmischen Gleichgewichts aufrecht erhalten werden kann. Selbst in den dunkelsten Zeiten der Erde gab es geheime Gemeinschaften, in denen jene, die sich zu dieser Mission berufen fühlten, ausgebildet und in diese Zustände göttlicher kosmischer Einheit initiiert wurden.

Nun ist ein neuer Zyklus im Entstehen. Wir treten aus dem Zeitalter der Finsternis, dem Kali Yuga, ein in ein Zeitalter des Lichtes, das Satya Yuga. Unser gesamtes Sonnensystem bewegt sich an eine Stelle im Raum, welche wesentlich heller und strahlender in ihrer Intensität ist, als dies zuvor der Fall war. Aus dem Zentrum der Galaxis erhebt sich eine galaktische Suprawelle, welche eine Veränderung in der Grundfrequenz der Harmonie der gesamten Materie - und damit auch des gesamten Bewusstseins - in unserem Teil der Galaxis hervorruft.

Die Erde bereitet sich auf eine Verschiebung ihrer elektromagnetischen Felder vor, welche ihrerseits dann die morphogenetischen Felder des menschlichen Bewusstseins von der Trennung zur Einheit umpolen. Die Supramentale Niederkunft, wie Sri Aurobindo dies bezeichnete, ist nahe.

Der Maya-Kalender spricht von dieser Zeit als dem Ende der linearen Zeit. Die Maya setzten diesen Übergang für einen Zeitpunkt im Jahre 2011 oder 2012 fest. Meiner Meinung nach bezieht sich der Ausdruck “Ende der linearen Zeit“ auf den Beginn eines multi-dimensionalen Bewusstseins, in dem unsere Erfahrung der Zeit gleichzeitig abläuft, wir die Grenzen des Einzel-Bewusstseins zu überschreiten beginnen und uns die Einheit mit allen Dingen bewusst wird, selbst wenn wir uns noch in unseren materiellen Körpern befinden. In dieser Zeit kann der Himmel zur Erde kommen, und der Geist sich in der Materie inkarnieren. Bhagavan nennt dies “das goldene Zeitalter“.

Dies ist die Zeit, in der die gesamte Menschheit den Zustand der Einheit erreicht, und nicht nur einzelne Personen. Derzeit ist es so, dass unsere Identität noch aus dem individuellen Selbst besteht, das oft getrennt ist bzw. sich im Konflikt oder im Wettbewerb mit anderen Menschen dieses Planeten befindet. Das wird sich in Kürze ändern. Sobald das Massenerwachen stattfindet, wird sich unsere Erfahrung des Selbst grundsätzlich verändern, und wir werden eine tiefere Einheit mit dem alles durchdringenden Netz des Lebens erfahren. So werden wir uns gleichzeitig als Individuum und als planetares, galaktisches und kosmisches Wesen sehen können! Unsere menschliche DNA wird auf tief greifende Weise aktiviert, was uns dazu befähigt, die physischen Begrenzungen unseres physischen Körpers zu überschreiten. Wenn dies geschieht, werden sich auch alle anderen planetaren Realitäten grundsätzlich verändern.

Viele Biologen weisen heute darauf hin, dass sich in der Biologie alles zunächst langsam und progressiv entwickelt, dann jedoch ein plötzlicher, rasend schneller Quantensprung erfolgt. Dieses Konzept ist als das “100-Affen Phänomen“ bekannt geworden. Sehr wahrscheinlich werden wir in der Entwicklung des menschlichen Bewusstseins ganz ähnliches erleben. Wir haben uns über Jahrtausende langsam entwickelt, haben nach und nach durch das unerbittliche Gesetz des Karma vieles über uns selbst und die Schöpfung erfahren; auch haben wir mit der Zeit physische Körper entwickelt, die dem machtvollen göttlichen Kommen gewachsen sind.

Bhagavan, wie auch die Berechnungen verschiedener Kalendersysteme, sowie mystische und wissenschaftliche Forschung weltweit haben bestätigt, dass diese Art der Entwicklung im Begriff ist sich zu verändern, und dass ein Quantensprung ansteht. Damit dies geschehen kann, muss jedoch zunächst die kritische Masse erreicht werden. Nach Ansicht von Bhagavan handelt es sich dabei um ca. 64.000 Menschen, die sich im Zustand des Christus-Bewusstseins befinden.

Dies ist nicht nur so dahingesagt. Alle, die zu dieser Gruppe gehören, wissen, wer sie sind, und sie sind auch mit der starken Seelenabsicht, das planetare Erwachen zu fördern, auf die Erde gekommen. Sie haben immer schon gewusst, dass sich zu einem bestimmten Zeitpunkt innerhalb der linearen Zeit das Schicksal und Ziel ihrer Seele offenbaren wird, und jeder von ihnen hat sich auf seine eigene, einmalige Art darauf vorbereitet.

Die Diksha ist ein sehr wirkungsvolles Hilfsmittel, dieses Erwachen herbeizuführen. Doch selbst für alle jene, die überhaupt nichts davon wissen, zeigt sich überall auf der Welt dieses spontane Erwachen auf unterschiedlichste Art. Ich meine, dass dieses Erwachen in Wellen geschehen wird. Es beginnt ganz langsam, da der kollektive Geist sehr wenig beweglich ist. Da jedoch immer mehr Menschen erwachen, wird es für alle zunehmend leichter, vorwärts zu gehen, bis dann endlich der Punkt erreicht ist, an dem es dem morphogenetischen Feld gelingt, Leute mit Nachdruck in die Erfahrung des Christus-Bewusstseins zu bringen. Wenn 64.000 Christus-bewusste Menschen auf dem Planeten sind, kann der Quantensprung der Massen-Erleuchtung sehr rasch und machtvoll stattfinden. Dann ist das Goldene Zeitalter da!

Ein wesentlicher Bestandteil zur Errichtung des morphogenetischen Feldes ist, so wie Bhagavan dies sieht, die Vervollständigung des Tempels der Einheit, der die Stärke des Einheitsbewusstseins im Bereich der Materie vergrößern wird. Es sollen 8.000 Menschen in ihm Platz finden; wenn diese Menschen ein starkes morphogenetisches Feld des Einheitsbewusstseins errichten, wird das für jeden Einzelnen die Stärke der von ihm empfangenen Diksha vergrößern und die morphogenetischen Felder des Christus-Bewusstseins ungeheuer verstärken.

Es ist ganz wichtig zu wissen, dass auf der Reise zum Christus-Bewusstsein jeder von uns die “dunkle Nacht der Seele“ durchschreiten muss. In dieser Zeit verlieren wir die letzten Überreste unserer anerzogenen Identität, sogar unsere so genannte “spirituelle Identität“. Es ist wie ein Sprung ins kalte Wasser, ins Unbekannte, hinein in das dunkle Mysterium der Schöpfung, wo alles, was uns Sicherheit bedeutet hat, zunichte gemacht wird. Wir sterben und mit uns die Reste des konditionierten Ego - und wir werden wieder geboren zur vollen Erkenntnis unseres göttlichen Selbst. Für manche Menschen ist das ein Prozess voller Schönheit, innerer Hingabe und des kosmischen Erwachens. Abhängig davon, wie sehr wir uns noch mit den Illusionen des Selbst identifizieren, kann es jedoch auch zu Wirbelströmen der Unsicherheit und Angst kommen; Dürre und Einsamkeit, Dunkelheit und Verzweiflung können uns umgeben, bis wir endlich das Ganze als Illusion erkennen und den Schritt in die direkte Entdeckung unserer wahren Natur wagen.

Noch ein kurzes Wort an alle, die bereits Diksha empfangen haben, aber immer noch auf die Erleuchtung warten. Bhagavan sagt zwar, die Diksha sei etwas, was in diesem Zeitalter sehr leicht zu empfangen sei. Trotzdem müsst Ihr wissen, dass ein gewisses Maß an Bemühung damit verbunden ist. Unsere Aufgabe ist es, die Türe zu erreichen - dann liegt es an der göttlichen Gnade, uns hindurch zu führen.

Um die Türe erreichen zu können, bedarf es emotionaler Reife, d.h., wir müssen imstande sein, uns selbst klar zu sehen und zu akzeptieren. Wir müssen auch jene Bereiche in unserem Leben erkennen, wo wir unsere dunkle Seite oder unser Licht verborgen halten und verleugnen und dies dann auf andere Menschen oder Lebensumstände projizieren. Auch müssen wir unsere unterbewussten Glaubenssätze in Bezug auf Gott zur Kenntnis nehmen. Sehen wir ihn als jemanden, der voll Kritik, strafend oder verurteilend ist, oder empfinden wir ihn als freundlich, liebevoll, unermesslich groß und wunderschön? Wir müssen auch bereit sein, uns unserer inneren Göttlichkeit hinzugeben, zu vertrauen und zu erkennen, dass unser Geist nur einen winzigen Bruchteil der gewaltigen Schöpfung begreifen kann.

Inmitten aller menschlichen Zweifel, Unsicherheiten und Ängste, die auf dieser Reise ins Erwachen unvermeidlich sind, habe ich das Gefühl, dass man immer das Gesamtbild im Auge behalten sollte. Dieses große Bild ist nicht ein weiteres Gedankenkonzept, an das man sich klammert, sondern eher ein Weg, die Dinge zu betrachten. Dazu gehört, dass man seine Wahrnehmung vom kleinen Selbst abzieht und sie auf das große Selbst ausrichtet; von der Suche nach persönlicher Erleuchtung auf die Vision des planetaren Erwachens. Es ist die Fähigkeit, den Kosmos als riesigen Spiegel zu sehen und zu verstehen, dass der Blick in diesen Spiegel alles bewusst macht, da bleibt nichts verborgen. Dann begreifen wir uns selbst nicht mehr als Schachfigur, die das Universum nach Belieben verschiebt. Dann durchströmt uns das Universum in all seinen vielfältigen Reflexionen der Einheit. Dann bringt uns der Atem der Schöpfung beim Einatmen zurück zu Gott, und wir erkennen, dass wir eigentlich niemals von ihm getrennt waren.